
HARALD BROST
MEINE PHILOSOPHIE
Der Weg
Unternehmer, Konzernmanager,
Berater, Beirat.
Im Konzern: Deutsche Bahn, HELLA. M&A, Corporate Development, Innovation, Digitale Transformation, Portfolio, Finance. Als Eigentümer: gegründet, geführt, verkauft, beraten. Elf Jahre eigenes Unternehmen, seit 2023 NORDSTERN.
Ich habe gekauft, verkauft, aufgebaut und neu ausgerichtet, und in jeder dieser Rollen selbst unterschrieben, mit allen Konsequenzen, die dazugehören.
Wenn ich nicht arbeite, gehe ich. Lange, ohne Ziel, quer durch Berlin. Oder ich koche.
Der Maßstab
Chris Argyris
Je kompetenter jemand ist, desto geschickter vermeidet er echtes Lernen.
Harvard Business Review, 1991
Mein Maßstab kommt nicht aus Büchern.
Er kommt aus unternehmerischem Handeln.
Aus Situationen, in denen aus Mehrdeutigkeit eine bindende Entscheidung werden musste: ein Kauf, ein Aufbau, eine Sanierung, eine Neuausrichtung, ein Projekt, an dem Kapital und Menschen hingen. Und in denen sich innerhalb überschaubarer Zeit zeigte, ob eine Einschätzung richtig war. In den meisten Berufen erfährt niemand je, ob eine Beurteilung gestimmt hat. Ich habe es jedes Mal erfahren.
Geblieben ist eine Gewohnheit: vor der Aussage die Annahmen zu prüfen, auf denen sie steht. Nicht nur, ob die Rechnung stimmt. Sondern ob die Begründung stimmt.
Die Beobachtung
Daniel Kahneman
Das schnelle Denken schließt, bevor das prüfende beginnt.
Thinking, Fast and Slow, 2011
Entscheidend ist selten, ob ein Befund stimmt.
Entscheidend ist, ob er gehört wird.
Diese Beobachtung hat sich über dreißig Jahre wiederholt: Die schärfste Analyse ist nicht automatisch die wirksamste. Und die eigene Sicherheit ist dabei der schlechteste Zeuge. Wer handelt, kennt seine Absicht. Alle anderen sehen nur die Wirkung.
Ein Irrtum fühlt sich von innen an wie Einsicht.
Die Pause
Hannah Arendt
Das Innehalten geht dort zuerst verloren, wo die Effizienz am höchsten ist.
Grundgedanke aus Vita activa, 1958
Die gefährlichste Eile ist die,
die sich als Wichtigkeit tarnt.
Fast jede große Entscheidung, die ich geprüft habe, stand unter Zeitdruck. Fast nie kam der Druck aus der Sache selbst. Er kam aus Fristen, die verhandelbar waren, aus Erwartungen, die niemand ausgesprochen hatte, und aus dem Wunsch, endlich Klarheit zu haben.
Deshalb beginnt meine Arbeit mit dem, was am schwersten fällt, wenn viel auf dem Spiel steht: anzuhalten, bevor man sich festlegt.
Der Hintergrund
Viktor Frankl
Zwischen dem, was einen Menschen trifft, und seiner Reaktion liegt eine Wahl.
Sinngedanke der Logotherapie
Warum unterschreiben kluge Menschen
falsche Entscheidungen, obwohl alle Fakten
auf dem Tisch liegen?
Die Frage ist älter als jede Managementliteratur. Aristoteles hat sie als Erster benannt: Menschen wissen das Bessere und tun das Schlechtere. Kahneman hat gezeigt, wie schnell ein Urteil schließt, bevor die Prüfung beginnt. Frankl, dass zwischen Ereignis und Reaktion eine Wahl liegt. Rogers, dass sich niemand überzeugen lässt, solange die Bedingungen dafür fehlen.
Nichts davon ist neu, und darauf lege ich Wert. Aber es erklärt, warum die teuersten Fehler selten falsch gerechnet sind. Sie sind falsch begründet.
Die Konsequenz
Carl Rogers
Veränderung wird nicht bewirkt. Es lassen sich nur die Bedingungen herstellen, unter denen sie eintreten kann.
Klientenzentrierte Arbeit, 1957
Deshalb prüfe ich nicht nur Zahlen.
Ich prüfe Begründungen.
Der Gegenstand meiner Mandate ist derselbe geblieben: Verkauf, Nachfolge, Zukauf, große Investitionen, und die Analyse ist so genau wie eh. Aber vor der Frage, wie eine Entscheidung durchgesetzt wird, steht bei mir die Frage, ob ihre Grundlage stimmt, und ob ein unbequemer Befund überhaupt gehört werden kann.
Ein Befund, der gehört wird, verändert mehr als einer, der lediglich stimmt.
Erst sehen.
Dann festlegen.
PAUSE · UNCOVER · COMMIT